Der Unternehmenswertrechner liefert kostenlos eine Online-Unternehmensbewertung auf der Basis von 30 Verfahren wie DCF, Multiples, KGV, APV, WACC, CAPM, EBIT (Freeware). Auch für Gerichtsgutachten verwendbar. Die Ermittlung erfolgt aufgrund eines Methoden-pluralistischen Ansatzes laut Gewichtungstabelle.

Unternehmensbewertung online
Dr. Carl W. Barthel, StB/vBP , Köln
Unternehmenswert: Die einzelwirtschaftsgüter-orientierten Be-wertungsverfahren,
- Vergangenheitsbezogene versus zukunftsorientierte Unternehmensbewertung -


"Der Substanzwert kann nicht Bestandteil des Unternehmenswertes sein", so lautet die eindeutige Anweisung in der HFA-Stellungnahme 2/83, Abschn. C.3. Nach dieser These ist "ausschließlich" der Ertragswert für die Bewertung ganzer Unternehmen maßgeblich. In der Praxis erfreuen sich die an der Unternehmenssubstanz und damit an Einzelwirtschaftsgü-tern orientierten Bewertungsverfahren - speziell bei kleineren und mittle-ren Unternehmen - wieder zunehmender Beliebtheit. Die nachstehende Untersuchung konzentriert sich in Fortsetzung der in DStR 1995, 343 ff. begonnenen Beitragsreihe auf die Charakterisierung der einem Bewerter zusätzlich als Handlungsalternativen zur Verfügung stehenden einzelwirt-schaftsgüter-orientierten Bewertungsverfahren.
1. Problemstellung
Bei der Bewertung von Unternehmen dominieren in Deutschland vom theoretischen Ansatz her unangefochten die Ertragswert-Verfahren, insbesondere das Düsseldorfer Verfahren nach HFA 2/83. Die Anwendung anderer Verfahren gilt als nicht "sach- und fachge-recht".
Es soll keineswegs ausgeschlossen werden, dass in dem einen oder anderen Fall auch ertragswertbasierte Unternehmenswerte ihre Be-rechtigung haben (können). Dies gilt z. B. bei der Erstellung eines externen Parteigutachtens für die Herleitung von Argumentationswer-ten, da hier grundsätzlich alle Verfahren erlaubt sind, die das Ziel des Auftraggebers fördern. Auch im Fall der Erstellung eines internen Parteigutachtens für die kompetente Beratung des Käufers können ertragswertbasierte Bewertungsgutachten durchaus nützlich sein, da die Zukunftsertragsbewertung auf investitionstheoretischem Ansatz fußt. In der Regel aber gilt: Im Ausland werden ertragswertbasierte Gutachten milde belächelt und im Inland zu den Akten genommen.
Es verwundert nicht, dass infolge der nach wie vor ungelösten Probleme mit den zukunftsorientierten Ertragswert-Verfahren sich die Bewerter anderen Bewertungsverfahren zuwenden, insbesondere der im Ausland vorherrschenden DCF-Methode sowie den sonst in Deutschland verpönten "Praktiker-Methoden". In letzter Zeit wird sogar dem "alten" Substanzwert eine "Renaissance" konstatiert. Auf theoretischer Ebene lässt sich ein Trend "weg von dem Alleingültig-keitsanspruch einer einzigen Methode" und hin zur "Methodenviel-falt" erkennen.
Bei den Ertragswert-Verfahren ist nur eines ganz sicher: Das Prog-noseproblem bleibt auch in Zukunft ungelöst. Dies führt zur prinzi-piellen Untauglichkeit der Ertragswert-Verfahren für unparteiische Bewerter, mögen noch so mathematische, formel- und nebelhafte Verkomplizierungen den Ertragswert-Astrologen als Tarnkappe für gutgläubige Gutachtenempfänger dienen. Bei ertragswertbasierten Bewertungsgutachten wird viel detaillierte Prosa geschrieben über die Voraussetzungen der Gutachtenerstellung (Grundsatzfeststellungen, getroffene Annahmen mit dahinter stehenden Überlegungen, Be-schreibung des Bewertungsobjektes, Vollständigkeitserklärung, Prü-fungspflicht des Unternehmens usw.), von der Überleitung der vor-handenen - vergangenheitsorientierten - Rechnungslegungsansätze in mehrjährige Zukunftsphasenberechnungen, Errechnung des Kapitali-sierungszinssatzes mit Inflations- und Wachstumsabschlägen, Zu-schläge für Risiken, erschwerte Verkäuflichkeit und partielle Ausschüt-tungsfähigkeit der Gewinne, Ermittlung betriebswirtschaftlich zutref-fender Abschreibungssätze usw. Alles aber wird höchst fragwürdig durch das einzig entscheidende Kriterium der Prognoseungewissheit und damit der Scheingenauigkeit der Ziffern, die im Zähler den "künf-tigen Erfolgsstrom" und im Nenner den (künftigen!?) Kapitalisie-rungszinssatz ausweisen sollen. Es ist trivial aber wahr: Die Zukunft bleibt ungewiss.
Bewerter, die als "Abweichler" der reinen Lehre erkannt werden, treffen auf den geballten Zorn der Ertragswert-Enthusiasten. Der Abtrünnige könne offenbar nicht zwischen "objektiviertem" und "objektivem" Wert, zwischen "Wert" und "Preis", zwischen "objekti-ver" und "subjektiver" Bewertungskonzeption unterscheiden und kenne nicht den aktuellen Stand von Theorie, Rechtsprechung und Praxis. Eine differenziertere Beurteilung nichtertragswertbasierter Bewertungsverfahren in der hier einschlägigen Literatur wäre durchaus von allseitigem Nutzen.
Die nachfolgend behandelten einzelwirtschaftsgüter-orientierten Bewertungsverfahren stellen eine Teilmenge der einem Bewerter zur Verfügung stehenden Handlungsalternativen dar. Um Missverständ-nissen vorzubeugen, sei vorangestellt, dass der Verfasser keineswegs von der alleinigen Verwendbarkeit dieser Verfahren für Zwecke der Unternehmensbewertung ausgeht, vielmehr bietet die (alleinige oder ergänzende) Möglichkeit ihrer Anwendung eine Vergrößerung des Aktionsraumes eines entscheidungsorientiert vorgehenden Bewerters.

2. Charakteristika
2.1 Begriffsabgrenzungen

Der im Vorspann verwendete Ausdruck "an der Unternehmenssub-stanz orientierte Bewertungsverfahren" ist ein Sammelbegriff für un-terschiedliche Verfahren. Im einzelnen könne drei Hauptvarianten mit jeweils mehreren Untervarianten unterschieden werden. Damit eine Differenzierung zwischen dem Sammelbegriff und dem "Sub-stanzwert im engeren Sinne" leicht möglich ist, wird für die an der Unternehmenssubstanz orientierten Bewertungsverfahren nachfolgend der Begriff "einzelwirtschaftsgüter-orientierte Bewertungsverfahren" verwendet.
Für Zwecke der Unternehmensbewertung ist der Begriff "Wirt-schaftsgut" weit zu fassen. Wirtschaftsgüter sind hiernach nicht nur Sachen, Rechte und Verpflichtungen sowie sonstige wirtschaftliche Vor- oder Nachteile, soweit diese selbständig bewertungsfähig sind, sondern auch Bewertungseinheiten im Sinne einer Zusammenfassung einzelner Wirtschaftsgüter unter einen einheitlichen Ordnungsschema: Der Begriff "Wirtschaftsgut" ist daher nicht rechtlich, sondern aus-schließlich bewertungstechnisch zu sehen. Einzelwirtschaftsgüter-orientierte Bewertungsverfahren sind durch die ausschließliche An-knüpfung an einzelne bewertbare Gegenstände zu einem bestimmten Stichtag charakterisiert; sie sind strikt stichtagsbezogen, im Gegensatz zu den zeitraumbezogenen überschuss- und zukunftsertragsorientier-ten Bewertungsverfahren.



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www.unternehmenswertrechner.de
in Abschnitt A.3.